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	<title>Lost Places Archive - Pixelfriedhof</title>
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		<title>Die Transrapid-Technologie vergammelt im Emsland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[megaadmin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jan 2020 17:40:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Travelblog]]></category>
		<category><![CDATA[Emsland]]></category>
		<category><![CDATA[Lost Places]]></category>
		<category><![CDATA[Transrapid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Emsland sahen wir uns die Überreste der verwahrlosten Transrapid-Versuchsstrecke-Emsland (TVE) an. Die einstige Spitzentechnologie hatte eigentlich das Potential den Personenverkehr zu revolutionieren. Was aus ihr geworden ist, seht Ihr im Video.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Emsland sahen wir uns die Überreste der verwahrlosten Transrapid-Versuchsstrecke-Emsland (TVE) an. Die einstige Spitzentechnologie hatte eigentlich das Potential den Personenverkehr zu revolutionieren. Was aus ihr geworden ist, seht Ihr im Video.</p>


<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><a href="https://pixelfriedhof.com/die-transrapid-technologie-vergammelt-im-emsland/"><img decoding="async" src="https://pixelfriedhof.com/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FyG-xNihLpqg%2Fhqdefault.jpg" alt="YouTube Video"></a><br />Ihre Daten werden erst beim Abspielen des Youtube-Videos an den Dienst übermittelt. Your data will only be transmitted to the service when you play the Youtube video.<br /><figcaption></figcaption></figure>


<p>Das 1969 gestartete
Transrapidprojekt war ein Vorzeigeprojekt deutscher Ingenieurskunst. Die in
Deutschland entwickelte Magnetschwebebahn erreichte Höchstgeschwindigkeiten bis
450 km/h.</p>



<p>Im Frühjahr des Jahres 2006 konnte ich mich glücklich schätzen, selbst einmal im Transrapid auf der Transrapid-Versuchsanlage Emsland&nbsp; mitzureisen. Damals war das Besucherzentrum regulär geöffnet, Ausstellungen und Informationstafeln informierten die Besucher über diese zukunftsträchtige Technologie. Über das grüne Treppengebäude gelangte ich zum Bahnsteig und zusammen mit meinem Vater und Großvater nahm ich in einem der Züge Platz. Wir fühlten die wahnsinnige Beschleunigung des über den Betonträgern schwebenden Zuges. Auf der fast 32km langen Teststrecke erlebten wir den unvergleichlichen Fahrgastkomfort, die Ruhe im Zug und diese enorme Geschwindigkeit </p>



<p>Heute sind die Überbleibsel der Ausstellung und
der Bahnsteig hinter eisernen Toren und Vorhängeschlössern verschlossen. Die
auf dem Betriebshof verbliebenen Transrapidzüge vergammeln auf den
Abstellgleisen. Einige Zugteile sind unter Planen verhüllt, Moos, Witterung und
Vandalismus nagen an den Zügen. Die einstigen Transformatorenstationen rosten
vor sich hin, obwohl man an einigen Stellen des Geländes noch das typische
Surren einiger Trafostationen hören kann.</p>



<p><br>
<br>
Der Transrapid war in der Lage, innerhalb von 60&nbsp;s aus dem Stand auf
200&nbsp;km/h sowie in weiteren 60&nbsp;s von 200&nbsp;km/h auf 400&nbsp;km/h
zu beschleunigen. Für eine Beschleunigung auf 300&nbsp;km/h benötigte er dabei
rund vier Kilometer Fahrtstrecke.</p>



<p>Im Gegenteil zu normalen Zügen, entstand beim Transrapid kein&nbsp;Rollwiderstand. Für den Antrieb waren keine Räder, Achsen, Antriebswellen oder Getriebe erforderlich. <br> Somit entfielen Reibungsverluste und Verschleiß eben dieser klassischen Eisenbahn-Bauteile. Durch den fehlenden Kontakt zur Schiene entstanden deutlich weniger Geräusche als bei einem regulären Zug. </p>



<p>Nach dem Beginn der
staatlich finanzierten Entwicklung im Jahre 1969 wurden 1979 erste Prototypen
vorgestellt. 1991 wurde dem Transrapid-System die sogenannte Anwendungsreife
anerkannt. Das System war also von da an einsatzbereit und sollte den
Zugverkehr für Personen und Güter revolutionieren.</p>



<p>In einem Transrapidzugverband
konnten bis zu 1172 Personen Platz nehmen. Als reine Cargo-Variante hätte das
System pro Zug eben so viel Last transportieren können, wie ein Airbus A380.</p>



<p>Warum hat sich dieses fortschrittliche
System dennoch nie durchgesetzt? <br>
<br>
Meine persönliche Meinung ist, dass wir Deutschen in Neuerungen häufig zuerst
Bedenken sehen, bevor wir uns überhaupt mit Innovationen und Vorteilen
beschäftigen. Allein der Bau der Teststrecke im Emsland wurde aufgrund diverser
Bedenken von Bürgern, Naturschützern und Politikern erheblich verzögert.
Planungsverfahren verliefen kompliziert und fehlender politischer Rückhalt
kostete wertvolle Zeit für die erfolgreiche internationale Vermarktung. </p>



<p>Die Bereitschaft zur
Einführung des neuen Systems bei etablierten Schienennetzbetreibern hielt sich
stark in Grenzen. Zwar freute man sich über die Mitwirkung an diesem
medienwirksamen und prestigeträchtigen Projekt, scheute aber gleichzeitig die
Aufwände für die Umrüstung bestehender Trassen.</p>



<p>So wurden die innerdeutschen&nbsp; Transrapid-Projekte&nbsp;Berlin–Hamburg,&nbsp;Metrorapid&nbsp;und ein&nbsp;Flughafenzubringer in München&nbsp;nach langjährigen Planungsphasen abgebrochen, ohne dass nur eine einzige produktive Referenzumsetzung erfolgte. Wie sollten wir der Welt diese Lösung verkaufen, wenn es dem Erfinderland schon nicht möglich war, das System selber in der Realität zu betreiben?</p>



<p>2004 wurde dann tatsächlich die einzige heute noch aktive Transrapidstrecke im Regelbetrieb in&nbsp;Shanghai&nbsp;in Betrieb genommen wurde. China hat geschafft, woran wir Jahrzehnte lang gescheitert sind. Eine Bankrotterklärung an die deutsche Innovationskraft.</p>



<p>Im Vergleich zu einem
deutschen ICE-Halbzug, betrug der Energieverbrauch pro Sitzplatz bei einem
Kilometer zurückgelegter Strecke und 300km/h Geschwindigkeit anstatt 44,4 Wh
beim Transrapid nur 28,1 Wh. Aus ökologischer Sicht ein nicht zu verachtender
Faktor, der heute interessanter als je zuvor erscheint.</p>



<p>Am 22. September 2006 dann ereignete sich auf der Transrapid-Versuchsanlage Emsland ein schwerer Unfall, bei dem 23 Menschen starben und zehn weitere verletzt wurden. Der mit 31 Personen besetzte&nbsp;Transrapid 08&nbsp;war auf offener Strecke gegen einen mit zwei Personen besetzten Wartungswagen geprallt. Der Fahrdienstleiter hatte die Freigabe für den Werkstattwagen erteilt, obwohl der Transrapid 08 auf der Strecke unterwegs war.</p>



<p>57 Sekunden nach dem Start um 09:53 Uhr betätigte jemand die&nbsp;Notbremse, 25&nbsp;Meter danach prallte der Zug mit 162&nbsp;km/h auf das Werkstattfahrzeug. Der Aufprall war weit zu hören. Die in&nbsp;Leichtbauweise&nbsp;konstruierte Magnetschwebebahn bohrte sich unter den 60&nbsp;Tonnen&nbsp;schweren Werkstattwagen. Dabei wurde das Dach des Transrapid an der Spitze des Zugs abgerissen und das Fahrzeug unter dem Werkstattwagen zusammengepresst. Das verkeilte&nbsp;Wrack&nbsp;schob sich noch etwa 300&nbsp;Meter weiter über die Strecke, bevor es schließlich zum Stillstand kam.</p>



<p>Obwohl als Unfallursache menschliches Versagen festgestellt
wurde und sich ein solcher Unfallhergang auch auf normalen Bahnnetzen hätte
ereignen können, haftete dieser schreckliche Unfall dem Transrapidprojekt von
diesem Moment an unweigerlich an. Ein weiterer unübersehbarer Kratzer im Lack
des Marketings dieser Technologie.</p>



<p>Die Betriebserlaubnis für die Versuchsanlage wurde infolge des
Unfalls zunächst aufgehoben, dann im Juli 2008 erneut erteilt. Ende 2011 lief
die Betriebsgenehmigung für die
Transrapid-Versuchsanlage im Emsland endgültig aus. </p>



<p>Die Überreste der einstigen Vorzeige-Technologie
sind seitdem sich selbst überlassen. Die Tatsache, dass heute nicht einmal ein
Museum mit Besichtigungsmöglichkeiten vorhanden ist, ist Sinnbild dafür, wie
sehr diese Innovation seit Ihrer Erfindung vernachlässigt und verkannt wurde. </p>
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