what3words: Das Ende von Straße Hausnummer und Postleitzahl?

Mit nur 3 Wörtern lässt sich jeder Ort des Planeten einwandfrei bestimmen. Somit können auch Orte gefunden werden, die mit einem klassischen Adresssystem mangels Strassennamen nicht gefunden werden. Dazu wird die Erde in 9m² große Rechtecke eingeteilt und jedem dieser Rechtecke drei aufeinanderfolgende Wörter zugeordnet.

Eine Adresse wo es keine Adressen gibt

Wenn wir nach Griechenland reisen, stehe ich jedes Jahr erneut vor einer Herausforderung. Beim örtlichen Autovermieter muss ich unsere Aufenthaltsadresse hinterlegen. Doch unser Feriendomizil liegt an einer nicht benannten Zufahrt außerhalb des Ortes. Ein Grund, warum Paketzustellungen an diesem Ort nicht funktionieren. Jedes Jahr aufs neue versuche ich mich darin, in gebrochenem griechisch mitzuteilen, dass wir ca 600 m nördlich von dem Punkt wohnen, wo die Straße „Ermou“ einen Knick macht. Selbst wenn mir das gelingt, hat niemand einen Mehrwert davon. Die finden weder mich, noch das Auto.

Keine Straßennamen in Griechenland

Dieses Problem habe nicht nur ich in Griechenland; auch Steppen- und Buschlandbewohner, Betreiber von AirBnBs auf Bali oder Paketdienste in Brasilien leiden unter einem fehlenden Adresssystem für Wegbeschreibungen und Positionsbestimmungen. Kurzum: Wir brauchen ein einfaches und alltagstaugliches Adresssystem, das nicht so kompliziert ist wie GPS-Koordinaten, aber dennoch genau genug ist um zuverlässig zu funktionieren. Die Lösung für das Problem bietet das Startup „what3words“ mit seinem gleichnamigen Dienst.

„what3words“ teilt die Oberfläche unseres Planeten in 3m² große Quadrate und vergibt jedem dieser Segmente drei aufeinanderfolgende Wörter als Adresse.

Positionsbestimmung mittels „what3words“ funktioniert auch ohne Straßennamen

Einfacher als Koordinaten, detailierter als Maidenhead Locator

Das ganze System erinnert ein wenig an den zum Beispiel im Amateurfunk genutzten Maidenhead Locator; ein vereinfachtes Koordinatensystem zur Positionsbestimmung. Der Maidenhead Locator unterteilt die Erdoberfläche in 324 Größtfelder, jedes Größtfeld in 100 Großfelder und jedes Großfeld in 576 Kleinfelder. Die Größt- und Kleinfelder werden im Maidenhead Locator mit jeweils zwei Buchstaben von AA bis RR bzw. AA bis XX, die Großfelder mit je zwei Ziffern von 00 bis 99 bezeichnet. Der Maidenhead Locator erlaubt so Positionsangaben mit einer Genauigkeit von 5′ Länge und 2′ 30″ Breite. Bei dieser Genauigkeit hat das System 18.662.400 Kleinfelder.

„what3words“ nutzt stattdessen 57.000.000.000.000 (57 Billionen) Kleinfelder und erlaubt somit die eindeutige Adressierung jedes 9m² großen Fleckens dieser Erde.

Darstellung der 3m² großen Adressfelder von what3words
Darstellung der 9m² großen Adressfelder (Bild: what3words)

Mehr Spielraum als bei normalen Adressen

Bei der Zustellung von Lieferungen an große Firmen hilft die normale Adresse teilweise nur wenig.
Möglicherweise gibt es auf einem Areal mit ein und derselben Hausnummer mehrere Annahmestellen für Lieferungen und Pakete: Wareneingang der Produktion, Empfang der Verwaltung, Pförtner und Arbeitsplätze einzelner Mitarbeiter kämpfen um die Gunst des Zustellers und mit hoher Wahrscheinlichkeit landet ein eingehendes Paket beim falschen Empfänger. Mit „what3words“ kann der genaue Zielort mühelos auf einer Karte bestimmt werden, auch wenn sich mehrere Annahmepunkte auf ein und demselben Areal befinden.

Keine Duplikate

Wissen Sie, wie viele Church-Streets es in London gibt? Die wirklich richtige Straße herauszufinden erfordert definitiv etwas Zeit und Recherche, damit man sich bei der Navigation nicht plötzlich an einem Ort befindet, der nur zufällig den gleichen Strassennamen trägt. Deshalb müssen Bezirke, Postleitzahlen und andere Dimensionen zur Adressfindung genutzt werden.

Im Zeitalter von Mensch-zu-Maschine-Kommunikation lässt sich einem Taxifahrer ein Irrtum leicht erklären, bei der Beförderung mit autonomen Fahrzeugen sollte aber bereits vor der Fahrt sichergestellt sein, dass es sich auch wirklich um das richtige Fahrtziel handelt. Nachverhandlungen und Einwände sind in diesem Umfeld schwierig durchzusetzen. Auch hier offenbart sich also großes Potential.

International in Muttersprache verwendbar

Die als Adresse genutzte Kombination aus drei Wörtern kann international verwendet werden, es benötigt lediglich eine Übersetzung. Somit ist die Nutzung des Systems in jedem Land möglich, egal welcher Sprachen der Nutzer mächtig ist, oder nicht.

Bei der Zuordnung von Wörtern hat sich „what3words“ gebräuchliche Wörter ausgesucht, die in jeder Sprache existieren und darauf geachtet, dass ähnlich klingende Wörter in großer Entfernung zueinander eingesetzt werden.

Positionsbestimmung mit arabischen Wörtern für Container mit "what3words"
Positionsbestimmung mit arabischen Wörtern für Container mit „what3words“ (Bild: what3words)

Schnelle Postionsübermittlung im Notfall

Wer schon einmal per Sprechfunk, zum Beispiel im Seenotfall, eine Koordinatenposition übermittelt hat, weiß wie zeitaufwändig und fehleranfällig diese Übermittlung ist. Die nicht gerade genaue Position 61-10N 003-45E frisst einiges an Zeit für die Übermittlung und Wiederholung. Missverständnisse sind trotzdem, auch wegen der ggf. schlechten Sprachqualität, nicht auszuschließen und kosten im Ernstfall wichtige Minuten und im schlimmsten Fall Menschenleben.

six one degrees one zero minutes north, zero zero three degrees four five minutes east
I repeat
six one degrees one zero minutes north, zero zero three degrees four five minutes east

Übermittlung von Koordinaten im Sprechfunk – 21 Wertvolle Sekunden und trotzdem hohes Fehlerpotential

Somit hat „what3words“ auch in zeitkritischen Rettungsszenarien Potential. In Katastrophengebieten, zum Beispiel nach Erdbeben und Tsunamis, kann „what3words“ helfen auch dann Orte ausfindig zu machen, wenn Straßenschilder und Verkehrsinfrastruktur komplett vernichtet wurden.

Breite Akzeptanz quer durch alle Branchen

Das Adresssystem von „what3words“ hat bereits viele Branchengrößen überzeugt. Die Drei-Wort-Adressen kommen mittlerweile bei der indischen Post, Ford, dem indischen Autohersteller Tata und bei der britischen Polizei zum Einsatz. Daimler und die Bahntocher „Schenker“ haben das Potential erkannt und entsprechend investiert.

https://what3words.com