Eine Brennweite von 24-70mm eignet sich ideal für Videoaufnahmen. Grund genug, sich einmal das Nikon Nikkor Z 24-70mm 2.8 genauer anzuschauen. Ein Review zum Autofokus, Bildstabilisierung und Fokusgeräuschen bei der Verwendung an der Nikon Z6 II.

Ich bin erst vor Kurzem auf das Nikon Z-System umgestiegen. Meine Nikon Z6 II (Amazon Affiliate Link) ist zudem meine erste Vollformatkamera und in nur 3 Wochen habe ich das gesamte System bereits lieben gelernt. Einen großen Beitrag zu dieser neuen Liebe leistete dabei das Nikon Z 24-70 2.8 (Amazon Affiliate Link). Warum, das erkläre ich im Folgenden.

Für die Videoaufnahme benutzte ich bisher meine Nikon D500 oder die D7500 entweder mit dem Sigma 18-35mm 1.8 Art (Amazon Affiliate Link) oder in den meisten Fällen mit dem Sigma 24-70mm 2.8 Art (Amazon Affiliate Link).

Die Brennweite von 24-70mm gibt beim Filmen ausreichend Spielraum für Landschaft, Portrait oder Reportage. Bei einer entsprechend geringen Tiefenschärfe aufgrund der 2.8er-Blendenöffnung kann man damit das Motiv vielfältig in Szene setzen. Bei 35mm Brennweite wirkt das Bildfeld durch die Ähnlichkeit mit der Wahrnehmung des menschlichen Auges besonders natürlich.

Autofokus – supersmooth und superleise

Im Gegensatz zur D500 und der D7500 verfügt die Nikon Z6 II über einen permanenten Video-Autofokus, auch als AF-F abgekürzt, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Im Gegensatz zum AF-C führt dieser die Schärfe kontinuierlich mit, nicht nur bei Betätigung des Fokus. Der AF-F allein ist zwar cool, aber erst mit den verschiedenen Tracking-Modi spielt er sein volles Potential aus: Die Kamera ist schlau genug einen einzelnen Bildbereich zu identifizieren und diesen dann im Blick zu behalten. Das funktioniert mit manuell gesetzter Motivauswahl, automatischer Auswahl aber auch mit Augenerkennung für Menschen und Tiere. Bei D500 und D7500 ließ die Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit dieser Funktionen zu wünschen übrig.

Gerade die Menschenaugenerkennung ist ein Traum. Bei der Aufnahme von Interviews oder Tutorials kann ich mich auf die Kamera verlassen. Die aufgenommene Person kann auch bei Offenblende flexibel vor der Kamera agieren, sich von ihr entfernen oder sich ihr nähern, der Fokus sitzt – und das auch bei eher schummrigem Ambiente und nicht optimalem Licht. Mit dem Bürostuhl von der Kamera wegrollen ohne Fokuseinbußen? Das wäre mir mit der D500 nicht möglich gewesen.

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Auch bei Tieren funktioniert der Augenautofokus gut. Außer bei meinem Hund „Pelle“. „Pelle“ ist eine junge, schwarz weiß gescheckte französische Bulldogge. Die dunklen Augen, so scheint es, scheinen für die Kamera manchmal im Muster des Fells unterzugehen und die Kamera ist sich dann nicht sicher, ob sie nun auf Fell oder Gesicht fokussieren soll und macht dann lieber gar nichts. Unsere graue französische Bulldogge „Trüffel“ hat diese Probleme nicht, seine Augen scheinen sich markant genug vom Fell abzuheben.

Den Fokus muss man aber auch für die nahezu geräuschlose Funktion loben. Ich habe das Sigma 24-70mm 2.8 (Amazon Affiliate Link) mit installiertem FTZ-Adapter gegen das Nikkor Z 24-70 2.8 (Amazon Affiliate Link) antreten lassen, das Ergebnis hört man (oder eben nicht) im Video. Beim ersten Test dachte ich, meine Ohren wären kaputt: Das Nikkor fokussiert nahezu unhörbar und wir spüren kaum Fokus-Vibrationen im Kamerabody. Genial.

Beim Sigma hingegen (und das ist schon leise) schlagen sich die Geräusche deutlich störend in der Ton-Aufnahme der Kamera nieder. Vielleicht sogar verstärkt durch den durch den FTZ-Adapter erzeugten Hohlraum zwischen Kamera und Objektiv. Ohne entkoppelten externen Rekorder geht hier nichts. Mit dem Nikkor Z 24-70 2.8 kann man nun getrost auch mal direkt mit der Kamera aufnehmen. Im Audio-Aufnahme-Modus „Voice“ lassen sich minimale Geräusche in der Nachbearbeitung eliminieren, bzw. gehen in einer Musikspur restlos unter.

Das Nikkor Z 24-70 2.8 (Amazon Affiliate Link) überzeugt zudem durch einen wirklich weichen Fokus. Während das Sigma eher stufig zwischen den Fokuspunkten wechselt, „dimmt“ das Nikon sanft, aber dennoch schnell von Fokus zu Fokus. Für das Betrachterauge ist das Videomaterial mit weichem Fokus wesentlich ansehnlicher. Es ist schwer das zu beschreiben, ich denke, man sieht im Video was ich meine.

AF-Zuverlässigkeit auch bei schlechtem Licht

Die Nikon Z6 II geht im Autofokus-Messbereich auf -4,5 EV runter. Damit ist sie auf dem Papier und in der Realität Branchen-Bester. Canon gibt bei der R6 -6 EV an, aber bezieht diese Angabe im Vergleich zu Nikon und Sony auf ein sehr lichtstarkes F/1.2er Objektiv anstatt auf ein F/2.0er Objektiv.

Auch außerhalb der technischen Spezifikationen merkt man diese Neuerung. Aufnahme im schummrigen Studio? Augen-Autofokus bei bunt beleuchtetem Hintergrund und wenig ausgeleuchtetem Gesicht? Weihnachtsdeko bei Kerzenschein filmen? Kein Problem.

Gimbal? Brauche ich nicht.

Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch gewählt. Ein Gimbal hat immer noch eine Daseinsberechtigung für bestimmte Situationen, doch die gleichzeitige Stabilisierung durch Kamera und Objektiv schafft beeindruckende Ergebnisse.

Das Nikkor Z 24-70mm 2.8 ließ zunächst etwas auf sich warten und so nutzte ich die Z 6 II zunächst mit dem o.g. Sigma 24-70mm 2.8 am FTZ-Adapter. Diese Aufnahmen waren durch den in der Kamera verbauten „Sensor-Shift-VR“-Bildstabilisator mit beweglichem Bildsensor und Verwacklungskompensation auf 5 Achsen schon ziemlich stabil.

NIKKOR Z 24-70 mm 1:2.8 S (inklusive HB-87)
NIKKOR Z 24-70 mm 1:2.8 S (inklusive HB-87)
  • Professionelles Standardzoomobjektiv mit Z-Bajonett und hoher durchgehender Lichtstärke 1:2.8
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Als dann das Nikkor Z 24-70mm 2.8 (Amazon Affiliate Link) eintraf, hob der im Objektiv verbaute Bildstabilisator die Ergebnisse zusätzlich nochmal auf ein ganz neues Level.

Die Stabilisierung ist so stark, dass sie mich bei Schwenks und der Motivverfolgung anfangs durchaus irritierte. Das Bild folgte nicht in dem Maße meiner Bewegung, wie ich dies gewohnt war – der Bildstabilisator gab alles. Daran kann man sich entweder gewöhnen und versuchen dieses Kameraverhalten in die eigenen Bewegungen einzukalkulieren, oder man nutzt den Sport-Modus des VR, der Schwenks und Motivverfolgung trotz aktiviertem Bildstabilisator weitestgehend unberührt lässt und trotzdem herausragende Ergebnisse liefert.

Wie kann man dieses Set nicht lieben?

Technisch kann einen dieses Set aus Kamera und Objektiv nur begeistern. Dieses Set überzeugt gleichermaßen im Foto-Bereich. Der VR kompensiert in der Praxis locker zuverlässig 3 Blendenstufen. HDR-Belichtungsreihe aus der freien Hand ohne Änderung des Bildausschnitts – kein Problem.

Die Kombination aus Kamera und Objektiv kostet nach Abzug aller Aktionsrabatte im Dezember 2020 knapp 3.800€. Das tut natürlich weh, doch wenn ich mir anschaue wie viel Zeit ich früher aufgrund fehlerhafter Fokuspunkte und damit einhergehendem Neu-Dreh und Nachbearbeitung verschwendet habe, dann sollte sich das ganze dennoch lohnen. Wer meine Lobpreisungen nicht glaubt, der sollte das Set wirklich einmal testen – ich selber habe solch eine tolle Entwicklung und Funktionen nicht erwartet. Der Umstieg auf das Z-System war die richtige Entscheidung.